Wednesday, 7. october 2009
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„So kam es zu dieser Idee. Der Idee stärker in diese einmalige Landschaft einzutauchen, mehr als nur ein paar Stunden. Sie zu erkunden, näher kennenzulernen und in irgendeiner Form
anderen Menschen zu vermitteln, wie schön es hier ist – am besten als Film, vielleicht auch als Buch. Damals, bei der klassischen Durchquerung des Nationalparks im Jahr 2003, dem heißen Sommer,
dem ganz heißen.
Ich sitze mit Thomas, einem Freund seit fast dreißig Jahren, mit dem ich viele Erlebnisse auf Flüssen und in den Bergen
geteilt habe, auf der Alpe Scaredi und wir schauen hinüber zum Monte Rosa. Ein wunderschöner Tag liegt hinter uns. Ich hatte schon einige Touren in der Gegend um den Lago Maggiore absolviert, in
der Schweiz, im Stronatal und natürlich auch im Val Grande. Mein lang gehegter Wunsch einmal mehrere Tage durch dieses Gebiet zu wandern, wird Wirklichkeit. Wir sind auf Biwakieren eingestellt
und finden eine Hütte vor. Trotzdem schlafen wir im Freien, es ist ja so warm. Und eine Wiese ist allemal weicher als ein Bretterboden. Ein paar Stunden vorher waren wir auf der Cima della
Laurasca gestanden - klare Luft, gestochen scharf der Lago Maggiore, nah die umliegenden Val Grande-Berge, vor uns, groß und mächtig, der Monte Rosa,
weiter hinten die Walliser und Berner Alpen. Jetzt kocht eine Suppe auf dem mitgebrachten Kocher, ein in Le Cascine gekaufter Käse und ein Schlückchen vom Roten sind die
Vorspeise.
Der Monte Rosa versinkt langsam in einem roten Farbenspiel. Absolute Ruhe, Stille,
Einsamkeit. Den letzten Menschen waren wir im Loanatal begegnet. Zum ersten Mal nehme ich das Val Grande als Nationalpark wahr. Es ist hier anders als gewohnt, kein Hüttenrummel, kein
„Hüttenleben“, was ja durchaus auch seine Qualität haben kann. Alles, was man braucht, muss man mitnehmen, also tragen wir einen nicht ganz leichten Rucksack. Und man ist allein mit seinen
Freunden, auf sich selbst gestellt. Das hat einen Hauch von Abenteuer, man fühlt sich manches Mal fast wie ein Pionier, denn auch die Wegfindung ist oft nicht ganz einfach.“
Aus „Val Grande – Wege in die Einsamkeit“, Seite 121,123
Die Idee ruhte dann doch noch gut zwei Jahre. Durch meine Pensionierung waren dann wieder Kapazitäten frei. Und – wir wollten einen Film
produzieren: Wanderungen zusammenstellen, Recherchieren, mögliche Drehorte auskundschaften, verschiedene Exposés entwickeln – dem unkundigen Zuschauer einen Eindruck von der Großartigkeit des Val Grande und seiner Vergangenheit vermitteln. Wir hatten durchaus Erfahrungen auf diesem Gebiet. Zusammen hatten wir schon zwei
Spielfilme gedreht. So trafen wir also verschiedene Doku-Spezialisten, ließen uns Tipps geben und uns die verschlungenen Pfade der Filmförderung erklären. Schließlich der Versuch einen Sender für
diese Idee zu gewinnen. „Val Grande? Noch nie gehört! Wir melden uns dann“. Niente! Ratlosigkeit.
Wieder war mehr als ein Jahr vergangen. Dann eben ein Buch, ein Bildband. So etwas gab es
bisher noch nicht, nicht auf Deutsch. Auch gut, denn auf das bisher Zusammengetragene konnten wir zurückgreifen. Aber wieder erhörte uns niemand. Keiner der vielen Verlage bekundete Interesse am
Val Grande. Keiner wollte unsere Idee verwirklichen. Bis wir Wolfgang Wiedemann kennen lernten. Der Mann mit dem kleinen Verlag in Münsingen. Und der wollte. Weitere Recherchen, weitere
Wanderungen, Fotografieren, Texte schreiben, das Erworbene in eine Form bringen – eine wunderbare Arbeit.
Bild: Bei der Alpe Scaredi mit Monte Rosa