Tuesday, 17. november 2009 2 17 /11 /Nov. /2009 14:40

Der Bildband über den Nationalpark Val Grande

Einsam, wild, romantisch - der Nationalpark Val Grande, am Westufer des Lago Maggiore gelegen, ist etwas ganz Einzigartiges.
Hoch ragende Berggipfel, steil abfallende Felsen, tiefe Schluchten, klare Bergbäche, dichte Kastanien- und Buchenwälder, verlassene und zerfallene Alphütten, der Wanderer erlebt eine besondere Landschaft - das großartige Panorama der Walliser Berge und des Berner Oberlandes, traumhafte Ausblicke auf den Lago Maggiore und die Ebene von Varese und Mailand.






Möglichkeiten genug, von ganz leicht bis schwer - für Romantiker, für Leistungsfreudige, für Große und Kleine, Gemütliche und Extreme. Wer Einsamkeit sucht - hier gibt es sie noch.
Der vorliegende Bildband soll neugierig machen auf dieses wunderschöne und bisher wenig bekannte Gebiet - seine Natur und seine Geschichte. Anhand von bildhaften Toutenbeschreibungen erlebt der Leser die Faszination dieser großartigen Landschaft.

von Platen/Ruck
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Tuesday, 17. november 2009 2 17 /11 /Nov. /2009 14:27

„Die Partisanen fliehen ins Val Portaiola. Auch dort werden sie schon empfangen. Ein fürchterliches Gemetzel. Wieder entkommen nur wenige, darunter auch Superti. Das Val Grande ist überschwemmt von Feinden. Überall Kämpfe: in Pogallo, auf der Bocchetta di Scaredi, der Alpe Fornà, dem Pizzo Marona. Die entkommenen Partisanen sind erschöpft, ausgelaugt, ausgehungert. Kaum mehr Waffen, kein Proviant.

 

Sie zerstreuen sich. Die Überlebenden verstecken sich in Höhlen, ernähren sich von Wurzeln und Kräutern. Manche verhungern, die meisten werden getötet oder gefangen genommen. Blutige Zeit. Auch Älpler, die den Partisanen Hilfe leisten oder auch nur den leisesten Verdacht erwecken, werden gefoltert. Ihre Hütten werden abgebrannt, manche werden getötet.

 

An verschiedenen Orten werden die Gefangenen gesammelt und hingerichtet. In Fondotoce müssen 42 gefangene Partisanen, bevor sie erschossen werden, mit einem Schild mit folgender Aufschrift durch den Ort marschieren: „ Sind das die Befreier oder sind es bloß Banditen?“ Auf ihrer Hinrichtungsstätte befindet sich heute eine Gedenkstätte, ein Resistenza-Museum, das „Casa della Resistenza“. An vielen Stellen im Val Grande erinnern Gedenkstätten, Tafeln und Mahnmale an die grausamen Vorfälle im Juni 1944. Seit 1999 findet jedes Jahr der „Sentiero Chiovini“ statt - ein Gedenkmarsch für die getöteten Partisanen. Er beginnt in der Schweiz und dauert zwölf Tage.

 

Ende Juni ist das Rastrellamento beendet - mit einer furchtbaren Bilanz: etwa 150 Partisanen wurden im Kampf getötet, 150 weitere wurden nach Folterungen hingerichtet, 7 Älpler mussten ihr Leben lassen. Die Angreifer verloren 200 – 250 Soldaten. In Cicogna wurden 50 Häuser durch das Bombardement zerschossen. Über 200 Alphütten wurden zerstört, viele Weiden verwüstet. 4 Berghütten sind in Trümmern oder stark beschädigt. Die meisten zerstörten Alpen werden nicht wieder aufgebaut und bleiben verlassen. Der Rückzug des Menschen aus den Bergen wird dadurch beschleunigt. Und das war der Anfang vom Ende des Lebens im Val Grande.“

 

Partisanen im Val Grande – das Rastrellamento

Seite 65

von Platen/Ruck
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Tuesday, 17. november 2009 2 17 /11 /Nov. /2009 14:14

Eine Anstrengung, die sich gelohnt hat – der Blick ins Herz des Val Grande. Dort, wo all die vielen Täler herabkommen, tief eingeschnitten, verwinkelt, um dann, zusammengeführt, den Rio Val Grande zu bilden. Wechselspiel von Sonne und Wolken. Auf einmal, wie von einem Lichtkegel beleuchtet, liegt unten im hellen Sonnenlicht unser heutiges Ziel, die Alpe Vald di sopra. Erleichtert nehmen die Freunde zur Kenntnis, dass uns nur noch ein mageres Stündchen von unserem Ziel trennt.

 

Beim Abstieg alle paar Meter kunstvoll gebaute Steinmännchen, oft mit fragilem Aussehen. Türmchen, scheinbar jederzeit zum Umfallen bereit. Aber durchaus stabil. Es hat jetzt nur noch 10 - 12 Grad und ein kühles Windchen, das uns nicht schmeichelt, bläst vom Berg herab. Ganz unerwartet taucht eine Gestalt auf: Gianfry, der Einsiedler - barfuß, kurze Hose, T-Shirt, Rucksack. Wir mit Bergstiefeln, langen Hosen, Hemd, Pullover oder Anorak. Ein Kontrast, den wir erst mal verdauen müssen. Wir grüßen uns, er streichelt Carlos, wir wechseln ein paar Worte, unser Italienisch ist zu dürftig, dann ist er verschwunden. Ich habe schon von ihm gehört und gelesen. Er ist seit über 10 Jahren im Val Grande zugange und lebt mal hier, mal dort in einem der Bivacchi.

 

In der Hütte, sie ist für hiesige Verhältnisse recht groß, hat sich Gianfry eine Ecke als Refugium eingerichtet: ein Zelt, ein paar Werkzeuge, ein kleiner Spiegel, Jesus am Kreuz, Marienbild, einige Kleider - nur wenige zivilisatorische Utensilien. Ein paar Bilder an den Wänden zeugen von seiner Verbindung zu Menschen: Gianfry barfuß auf einem schneebedeckten Gipfel, Gianfry mit Freunden an Weihnachten auf der Hütte. Er lebt vom Wald, von den Spenden der Wanderer. Er ist freundlich, nicht menschenscheu, aber mit der Welt da draußen hat er nichts mehr am Hut.

 

Da kein Holz im Bivacco ist, schwärmen wir in den Wald aus und sammeln die Menge an Altholz, die uns über den Abend rettet. Die Eingangstür gibt den Blick zum Pizzo Mottàc frei – morgen werden wir drüben sein. Noch einmal zeichnet die Sonne tiefe Schatten im Rund, die verwischt werden, kaum dass eine Wolke sich davorschiebt. Es wird dunkel. Bald brennt unser Feuer und der Raum füllt sich mit behaglicher Wärme. Lange noch beschäftigt uns die Lebensweise des Einsiedlers in unseren Gedanken und Gesprächen – was braucht man zum Leben? Harri beschließt noch einmal über seinen hochtechnisierten Haushalt daheim nachzudenken.“

 

 

Stille Tage im Herbst – Vom Valle Loana über den Pizzo Mottàc nach Trontano

Seite 163-165

von Platen/Ruck
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Wednesday, 7. october 2009 3 07 /10 /Okt. /2009 12:23

„So kam es zu dieser Idee. Der Idee stärker in diese einmalige Landschaft einzutauchen, mehr als nur ein paar Stunden. Sie zu erkunden, näher kennenzulernen und in irgendeiner Form anderen Menschen zu vermitteln, wie schön es hier ist – am besten als Film, vielleicht auch als Buch. Damals, bei der klassischen Durchquerung des Nationalparks im Jahr 2003, dem heißen Sommer, dem ganz heißen.

 

Ich sitze mit Thomas, einem Freund seit fast dreißig Jahren, mit dem ich viele Erlebnisse auf Flüssen und in den Bergen geteilt habe, auf der Alpe Scaredi und wir schauen hinüber zum Monte Rosa. Ein wunderschöner Tag liegt hinter uns. Ich hatte schon einige Touren in der Gegend um den Lago Maggiore absolviert, in der Schweiz, im Stronatal und natürlich auch im Val Grande. Mein lang gehegter Wunsch einmal mehrere Tage durch dieses Gebiet zu wandern, wird Wirklichkeit. Wir sind auf Biwakieren eingestellt und finden eine Hütte vor. Trotzdem schlafen wir im Freien, es ist ja so warm. Und eine Wiese ist allemal weicher als ein Bretterboden. Ein paar Stunden vorher waren wir auf der Cima della Laurasca gestanden - klare Luft, gestochen scharf der Lago Maggiore, nah die umliegenden  Val Grande-Berge, vor uns, groß und mächtig, der Monte Rosa, weiter hinten die Walliser und Berner Alpen. Jetzt kocht eine Suppe auf dem mitgebrachten Kocher, ein in Le Cascine gekaufter Käse und ein Schlückchen vom Roten sind die Vorspeise.

 

Der Monte Rosa versinkt langsam in einem roten Farbenspiel. Absolute Ruhe, Stille, Einsamkeit. Den letzten Menschen waren wir im Loanatal begegnet. Zum ersten Mal nehme ich das Val Grande als Nationalpark wahr. Es ist hier anders als gewohnt, kein Hüttenrummel, kein „Hüttenleben“, was ja durchaus auch seine Qualität haben kann. Alles, was man braucht, muss man mitnehmen, also tragen wir einen nicht ganz leichten Rucksack. Und man ist allein mit seinen Freunden, auf sich selbst gestellt. Das hat einen Hauch von Abenteuer, man fühlt sich manches Mal fast wie ein Pionier, denn auch die Wegfindung ist oft nicht ganz einfach.“

 Aus „Val Grande – Wege in die Einsamkeit“, Seite 121,123

 

Die Idee ruhte dann doch noch gut zwei Jahre. Durch meine Pensionierung waren dann wieder Kapazitäten frei. Und – wir wollten einen Film produzieren: Wanderungen zusammenstellen, Recherchieren, mögliche Drehorte auskundschaften, verschiedene Exposés entwickeln – dem unkundigen Zuschauer einen Eindruck von  der Großartigkeit des Val Grande und seiner Vergangenheit vermitteln. Wir hatten durchaus Erfahrungen auf diesem Gebiet. Zusammen hatten wir schon zwei Spielfilme gedreht. So trafen wir also verschiedene Doku-Spezialisten, ließen uns Tipps geben und uns die verschlungenen Pfade der Filmförderung erklären. Schließlich der Versuch einen Sender für diese Idee zu gewinnen. „Val Grande? Noch nie gehört! Wir melden uns dann“. Niente! Ratlosigkeit.

Wieder war mehr als ein Jahr vergangen. Dann eben ein Buch, ein Bildband. So etwas gab es bisher noch nicht, nicht auf Deutsch. Auch gut, denn auf das bisher Zusammengetragene konnten wir zurückgreifen. Aber wieder erhörte uns niemand. Keiner der vielen Verlage bekundete Interesse am Val Grande. Keiner wollte unsere Idee verwirklichen. Bis wir Wolfgang Wiedemann kennen lernten. Der Mann mit dem kleinen Verlag in Münsingen. Und der wollte. Weitere Recherchen, weitere Wanderungen, Fotografieren, Texte schreiben, das Erworbene in eine Form bringen – eine wunderbare Arbeit.

 

 


Bild: Bei der Alpe Scaredi mit Monte Rosa
von Platen/Ruck
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Das Buch

Buchdaten

Lesung

Lesungen 2012 (Stand Dezember 2011)

 

Literarischer Streifzug mit Bildern und italienischen Liedern mit Rolf Platen, Thomas Ruck und Anna Rausch.

 

Mittwoch, 11.01.2012, 20.00 Uhr

DAV Stuttgart, Bezirksgruppe Leonberg

Gaststätte Glemshof

Glemseckerstraße 35

71229 Leonberg

Tel. 07152 47461

 

Mittwoch, 14.03.1012

VHS Bad Waldsee und Albverein (Sektion Bad Waldsee)

Stadtbücherei Spitalhof 2

88339 Bad Waldsee

Tel. 07524 49857

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